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Als Arbeitgeber ist es entscheidend, potenzielle Bewerber nicht nur zu überzeugen, sich für eine Stelle in unserem Unternehmen zu bewerben, sondern auch ein positives Bewerbererlebnis zu bieten. Die Candidate Experience spielt dabei eine zentrale Rolle, da sie massgeblich darüber entscheidet, ob Bewerber das Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber wahrnehmen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Phasen der Candidate Experience optimal gestalten können, um talentierte Bewerbende anzuziehen und langfristige Beziehungen aufzubauen.
Candidate Experience: Was versteht man darunter?
Die Candidate Experience bezeichnet das gesamte Bewerbererlebnis, das ein Kandidat während des Recruitingprozesses mit einem Unternehmen erfährt. Dies umfasst also sämtliche Kontaktpunkte, die ein Bewerber mit dem Unternehmen hat, angefangen bei der Stellenausschreibung über die Bewerbung und das Vorstellungsgespräch bis hin zur Zu- oder Absage. Eine positive Candidate Experience zeichnet sich durch eine transparente, effiziente und respektvolle Kommunikation aus, in der Bewerber sich wertgeschätzt und gut aufgehoben fühlen. Unternehmen, die eine positive Candidate Experience bieten, können dadurch das Employer Branding stärken, die Mitarbeiterbindung erhöhen und talentierte Bewerber langfristig an sich binden.
Darum ist eine positive Bewerbererfahrung so wichtig
Es ist essentiell, den Bewerbungsprozess für Bewerber so angenehm wie möglich zu gestalten – insbesondere für qualifizierte Fachkräfte, die sich heutzutage durchaus wählerisch zeigen können.
Eine positive Candidate Experience kann sich wie ein Lauffeuer verbreiten und einen erheblichen Einfluss auf deine Arbeitgebermarke haben. Wenn alles reibungslos läuft und die Bewerber mit dem Bewerbungsprozess zufrieden sind, können Sie sich über Folgendes freuen:
- Ein höheres Aufkommen an qualifizierten Bewerbungen
- Reduzierte Kosten pro Neueinstellung
- Schnellere Besetzungen von offenen Stellen
- Empfehlungen, die zu mehr Bewerbungen führen
- Positiven Einfluss auf das Arbeitgeberimage und die Produktmarke
Es versteht sich von selbst: Je attraktiver Ihr Unternehmen ist, desto mehr Menschen möchten dort arbeiten. Daher sollte eine erfolgreiche Recruiting-Strategie auf Attraktivität basieren. Doch nicht nur die Quantität der Bewerbungen ist entscheidend, sondern auch die Qualität steigt mit einer positiven Candidate Experience. Mehr qualifizierte Bewerbende bedeuten, dass Sie schneller geeignete Teammitglieder finden und somit die gesamten Einstellungskosten senken können.
Ein positiver Nebeneffekt: Zufriedene Bewerber empfehlen dein Unternehmen weiter – unabhängig davon, ob sie letztendlich angenommen oder abgelehnt wurden. Dadurch steigt nicht nur die Bewerberzahl, sondern potenzielle Kunden erhalten ebenfalls ein positives Bild von Ihrem Unternehmen.
Eine optimale Candidate Experience bedeutet, dass Bewerbende den Bewerbungsprozess nicht vorzeitig abbrechen und woanders suchen. Letztendlich spielt es keine Rolle, ob es zur Anstellung kommt – primär ist es wichtig, dass Bewerber einen unkomplizierten und transparenten Bewerbungsweg erleben und sich stets wertgeschätzt fühlen. Hierbei stellen sich zwei zentrale Fragen: Welche Aspekte sind kritisch? Und wie können Sie die Candidate Experience optimieren?
Daher ist es ratsam, sämtliche Berührungspunkte zu kennen, die zwischen Ihrem Unternehmen und den Bewerbenden während des Bewerbungsprozesses entstehen. Überlegen Sie also genau, wo und wann Personen mit Ihrem Unternehmen in Kontakt kommen.
Die 6 Phasen der Candidate Experience
Ein überzeugendes Arbeitgeberimage wird für Bewerber nicht erst während des Vorstellungsgesprächs spürbar, wenn die Personalabteilung das Unternehmen ins rechte Licht rückt, sondern bereits deutlich früher. Modelle zur Candidate Experience unterteilen diese Erfahrungsphase in sechs Abschnitte:
1. Anziehungsphase
In dieser ersten Phase entsteht der initial Kontakt zwischen dem Unternehmen und dem Bewerber. Dies kann durch eine gezielte Recruiting-Kampagne, inspirierende Gespräche auf Jobmessen oder auch durch eine persönliche Empfehlung erfolgen. Das Ziel ist es, beim Bewerber eine gewisse Anziehungskraft hervorzurufen, damit er sich die Zeit nimmt, erste Informationen über den potenziellen Arbeitgeber einzuholen.
2. Informationsphase
In der zweiten Phase gelangt der Bewerber in der Regel auf die Unternehmenswebsite, meist in den Karrierebereich. Dort sollte er eine professionell gestaltete Stellenbeschreibung vorfinden, die idealerweise seinen Fähigkeiten und Erwartungen entspricht. Die Gesamtdarstellung des Unternehmens sollte durch Professionalität, Konsistenz und Attraktivität das positive Bild des Erstkontakts bestätigen.
3. Bewerbungsphase
In dieser Phase wird ein grösserer Zeitaufwand von Bewerbenden gefordert. Nach erfolgreicher Durchführung der ersten beiden Phasen ist der Bewerber bereit, eine Bewerbung zu verfassen und sich mit den formalen Anforderungen des Unternehmens auseinanderzusetzen. Die Online-Formulare sollten übersichtlich gestaltet sein, der Dokumenten-Upload reibungslos funktionieren und die Bestätigungsmail freundlich und einladend sein. Der Bewerber sollte sich in seiner Entscheidung, ein passendes Unternehmen gefunden zu haben, bestärkt fühlen.
4. Auswahlphase
In dieser Phase finden Bewerbungsgespräche, Unternehmensbesuche, Auswahlprozesse und die Kommunikation im Anschluss statt. Hier kommt der Bewerber erstmals mit Vertretern der Unternehmenskultur in Kontakt. Basierend auf den bisherigen Erfahrungen aus der Distanz, wird ein positives Bild geschaffen, das nun mit den realen Erlebnissen abgeglichen wird
5. Onboardingphase
Die gastfreundliche Atmosphäre, die den Bewerber angelockt hat, sollte auch nach der Zusage nicht abrupt enden, da sie ein wichtiges Kriterium für die Entscheidungsfindung war. Ein reibungsloser Onboarding-Prozess direkt im Anschluss an die Zusage erleichtert dem Bewerber den Einstieg ins Unternehmen. Fehlt diese Unterstützung, entsteht schnell der Eindruck, dass die freundliche Behandlung während der Bewerbungsphase lediglich ein Rekrutierungsinstrument war und nicht gelebte Praxis im Unternehmen ist.
6. Bindungsphase
Die Candidate Experience mündet schliesslich in die Employee Experience, wenn der neue Mitarbeiter sich nicht mehr als Aussenseiter, sondern als integraler Bestandteil des Unternehmens sieht. Bis zu diesem Zeitpunkt besteht die erhöhte Gefahr, dass Mitarbeiter aufgrund mangelnder Integration frühzeitig das Unternehmen verlassen. Daher sollten Unternehmen Mechanismen entwickeln, um zu überprüfen, ob das Onboarding bei allen Neueinsteigern erfolgreich ablief. Zudem ist eine effektive interne Arbeitgebermarke von entscheidender Bedeutung.
Welche Phasen können Sie als Arbeitgeber beeinflussen?
Natürlich existieren Kriterien, die kaum oder nicht beeinflussbar sind. Dazu zählt beispielsweise die Identifikation mit dem Produkt oder der Dienstleistung. Ein Individuum mit einer pazifistischen Einstellung wird vermutlich nicht in Erwägung ziehen, sich bei einem Zulieferer der Waffenindustrie zu bewerben. Auch in Bezug auf die Kommunikation kann es vorkommen, dass selbst bei perfekter Umsetzung immer jemand dabei ist, dessen Erwartungen nicht erfüllt werden.
Jedoch gibt es viele Aspekte der Candidate Experience, die Sie als Arbeitgeber aktiv gestalten und optimieren können. Durch eine transparente Kommunikation, wertschätzende Interaktion und die kontinuierliche Verbesserung interner Prozesse können Unternehmen einen positiven Eindruck hinterlassen. So tragen sie maßgeblich dazu bei, talentierte Bewerber für sich zu gewinnen und langfristig an das Unternehmen zu binden.